Maik Franz

Exklusiv: Maik Franz über die Eintracht, ‘Söldner’ und Florida

Ex-Adler Maik Franz spricht mit Eintrachtpower über die Situation bei Hertha, die Trennung von Frankfurt und seine Zukunft.

Für ihn lief’s auch schonmal besser. Ex-Eintrachtverteidiger Maik Franz wurde gerade in die zweite Mannschaft von Hertha BSC abgeschoben. Der sympathische 32-Jährige, der in der jungen Vergangenheit von einem Kreuzbandriss und einer Schulterverletzung geplagt wurde, spielte von 2009 bis 2011 in Frankfurt. Nach dem Abstieg wechselte er nach Berlin.

Mit uns spricht Iron-Maik über seine jetzige Situation bei Hertha und ob er sich eine Rückkehr nach Frankfurt vorstellen könnte. Er klärt auf über das Verhältnis zu Armin Veh und wie die Trennung von der Eintracht damals wirklich ablief. Maik blickt zurück auf die Zeit in Frankfurt, erzählt, wo er gerne mal spielen würde und verrät, was er nach dem Ende der Profikarriere vor hat. Und natürlich hat er auch eine Meinung zur aktuellen Frankfurter Mannschaft, denn das Herz hängt ganz offensichtlich noch immer etwas an dem Verein.

 

Hallo Maik, wie geht’s dir denn mit der jetzigen Situation?

Ich war sehr überrascht und auch enttäuscht. Viel mehr möchte ich momentan darüber nicht sagen, die Situation ist schon kompliziert genug. Wir werden darüber nochmal mit dem Verein sprechen, um eine Lösung zu finden.

Es wird berichtet, du und Peer Kluge hättet einen Anwalt und die Vereinigung der Vertragsfussballer eingeschaltet, um wieder mit den Profis trainieren zu dürfen.

Es wird ja immer viel geschrieben und berichtet, aber dass wir mit Leuten sprechen, die sich mit solchen Situationen auskennen ist doch verständlich.

Wie geht’s jetzt weiter? Glaubst du, dass du doch nochmal den Sprung in die Startelf der Profis schaffst diese Saison?

Das muss man sehen. Fußball ist so schnelllebig, da ist alles möglich.

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Oka Nikolov spielt gerade nochmal in den USA in Fort Lauderdale, Florida. Wäre das auch was für dich?

Ich hatte ja ein Angebot von der Columbus Crew aus Ohio. Leider war das versicherungstechnisch für mich nicht möglich, weil ich schon die ein oder andere Baustelle habe [Anm.d.Red.: Es ging um Verletzungen]. Deswegen war das leider nicht machbar. Ich hätte das gerne gemacht. Bei Oka war das ja schon immer ein Wunsch von ihm und es freut mich für ihn. Er ist ein einwandfreier Menschen, charakterlich top, eine absolute Identifikationsfigur. Und Florida ist richtig cool. Ich war letztes Jahr im Urlaub in Miami. Dort Fußball spielen zu dürfen, ist ein Jackpot.

“Das Stadion, die Fans, das war einfach geil.”

Könntest du dir eine Rückkehr nach Frankfurt vorstellen?

Was ich den zwei Jahren erlebt habe, war eine tolle Zeit. Das Stadion die Fans, das war einfach geil. Ich glaube, man hat mir auch immer angemerkt, dass ich gerne bei für die Eintracht gespielt habe. Der Abstieg tat weh und war zu vermeiden. Aber in der Rückrunde hat mir der Mlapa einmal den Bauchmuskel weggetreten und einmal den Fuß gebrochen. Da war ich leider bei den entscheidenden Spielen unter Christoph Daum verletzt. Es haben ja nur zwei oder drei Punkte gefehlt. Das hätten wir vermeiden müssen und können. Dann wäre ich vielleicht immer noch in Frankfurt. Ich habe mich jedenfalls immer voll reingehauen, tolle Leute kennengelernt und immer noch Kontakt nach Frankfurt, zum Beispiel zu Pirmin Schwegler, Sebastian Jung, Franco Lionti und zu anderen Freunden. Ich bin auch gerne da, erst vor ein paar Wochen wieder ein Wochenende.
Aber zurück kommen? Ich bin Realist. Dass ich nochmal zur Eintracht in die erste Liga zurück komme, ist unwahrscheinlich. Auch weil Armin Veh da ist und weil das sportlich vielleicht nicht gewünscht ist. Ich habe eine schwere Phase hinter mir, mit dem Kreuzbandriss und der Schulterverletzung. Das spricht nicht für mich. Aber zuvor hatte ich auch viel Glück und wenig Verletzungen. Also: Es wäre eine schöne Vorstellung, aber nicht realistisch.

“Armin Veh hatte keine Lust auf mich.”

Dein Abschied damals war ja verwirrend. Die SGE hat gesagt, du wolltest nicht in die zweite Liga. Du hast entgegnet, dass die Eintracht nicht auf dich zugekommen wäre. Wie ist es damals wirklich gelaufen?

Ich habe gesagt, dass ich mir vorstellen kann, auch in der zweiten Liga zu bleiben, dass wir aber ein Paket schnüren sollten, das auch für mich eine Perspektive und Sicherheit bietet und finanziell auch dann machbar ist, wenn der Wiederaufstieg nicht geklappt hätte. Das Angebot, das dann von der Eintracht kam, war noch verbesserungswürdig und wir haben uns darauf geeinigt, darüber nochmal nachzudenken. Das hat sich hingezogen und es wurde kein neues Angebot gemacht. Dann wurde mir eine Frist gesetzt, in der ich mich entscheiden sollte. Ich wollte dann erstmal wissen, wer der neue Trainer wird. Dann kam Armin Veh. Wie man weiß, sind wir nicht die besten Freunde. Er mag meine Spielweise nicht so, und ich bin auch nicht der größte Fan von ihm. Das kommt aus der Karlsruher Zeit, als er Trainer in Stuttgart war. Da hat er Sachen gesagt, die man über Spieler nicht sagen sollte, die man nicht kennt. Von daher habe ich gesagt: Ok, wenn er Trainer ist und mich haben möchte, wird er mit mir reden. Das hat er nicht. Auch Bruno Hübner hat nicht mit mir gesprochen. Dann war ich im Urlaub und zwei Tage vor Fristende hat die Eintracht das Angebot zurückgezogen. Ich habe Bruno Hübner angerufen und der meinte, dass das Angebot noch stehen würde. Aber es war klar, dass Armin Veh keine Lust auf mich hatte. Für mich war auch klar, dass wir nur schwer zusammen zu führen gewesen wären.

Es wird ja dann immer schnell von Söldnern gesprochen. Aber was dann wirklich abläuft, kriegen die meisten ja nicht wirklich mit. Wenn ein Spieler fair und charakterlich in Ordnung ist und sich für den Verein zerreißt und sich dann aber eine Möglichkeit ergibt, sich in allen Bereichen zu verbessern, dann sollte man auch so fair sein, dem Spieler einzugestehen, einen Schritt nach vorne machen zu dürfen. Die Zeit als Profi ist ja leider beschränkt. Da finde ich es immer schade und unfair, wenn man als Söldner verteufelt wird. Patrick Ochs hat mehr als sechs Jahre immer für die Eintracht gelebt. Dann hatte er beim Abstieg die Möglichkeit, für sich und seine Familie eine neue Basis zu schaffen. Da finde ich es schade, so einen Spieler, der über Jahre alles für den Verein gegeben hat, als Söldner hinzustellen und ihn zu beschimpfen. Man muss da ein vernünftiges Maß finden. Natürlich wäre es schön, wenn ein Spieler immer dem gleichen Verein treu bleibt. Aber die Fußballwelt hat sich halt auch verändert.

“Eintracht hält die Klasse locker, weil sie einfach zu gut sind.”

Wie schätzt du die Chance der Eintracht auf den Klassenerhalt ein?

Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass sie die Klasse halten. Egal wie ich persönlich über Armin Veh denke, aber er ist ein sehr guter Trainer. Was er in Frankfurt geleistet hat, davor habe ich größten Respekt. Wie die aufgestiegen sind und dann Fußball gespielt haben, das war gigantisch. Jetzt haben sie einfach Pech gehabt. Die Spiele waren eng, man hat in den letzten paar Minuten wichtige Punkte verschenkt. Aber die Mannschaft hat solch eine Qualität, die wird sich vom Abstiegskampf schnellstmöglich befreien. Die werden heute gegen Braunschweig gewinnen [Anm. d. Red.: Richtig vorhergesagt, denn bekanntlich gewann die Eintracht mit 3-0] und dann haben sie ein ganz anderes Selbstvertrauen. Die werden locker die Klasse halten, weil sie einfach zu gut sind.

Und wie siehst du die Chancen im Europapokal?

Porto ist ein Megakracher. Die haben eine Riesen-Qualität. Da muss es an beiden Tagen passen. Mit  etwas Glück ist da alles möglich. Ich wünsche es mir. Und ich sag’ nur Bordeaux. Wenn da 12.000 Fans hinfahren, alle in Orange,  da kriegste ja Gänsehaut vorm Fernseher, das war Wahnsinn. Für Porto haben sie auch rund 6.000 Auswärtskarten bekommen. Das werden schon zwei heiße Spiele. Porto ist leichter Favorit, aber so eine Außenseiterrolle ist manchmal ganz angenehm. Es wäre natürlich grandios, wenn die Eintracht weiterkommt.

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Hast du dir schon Gedanken gemacht, was du nach der Profikarriere machen willst?

Wenn man in einer Situaiton ist wie ich, man erst verletzt ist und dann zu den Amateuren geschickt wird, dann macht man sich darüber natürlich Gedanken. Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag, dann bin ich 34. Und mit 34 muss man langsam dem Ende als Profi entgegen blicken. Ich schaue mich um, was mir gefallen könnte. Ich will unbedingt im Fußballgeschäft bleiben. Da gibt es natürlich unterschiedliche Bereiche, ob das im Jugendbereich oder Trainerbereich oder als Berater oder Manager ist. Ich muss für mich gucken, was mir liegt. Da muss man sich Zeit geben und den ein oder anderen Anlauf wagen.

“Vielleicht tauche ich ja nochmal bei einem meiner Ex-Vereine auf.”

Wäre ein Engagement bei Hertha vorstellbar?

Ich fühle mich sehr wohl in Berlin. Sportlich gesehen, mit den Verletzungen, hätte es natürlich besser laufen können. Aber die Stadt ist schön, der Verein ist super organisiert, wir haben eine sehr gute Nachwuchsabteilung und beste Bedingungen. Ob Frankfurt, Karlsruhe, Magdeburg oder Wolfsburg,  ich hatte immer das Glück, bei gut geführten Vereinen zu spielen. Vielleicht tauche ich ja nochmal bei einem meiner Ex-Vereine auf. Wo das sein wird und in welcher Funktion, das wird sich zeigen.

Letzte Frage: Wie lebt sich’s denn in Berlin? Hast du denn Zeit, in Ruhe über die Museumsinsel zu schlendern oder unerkannt im Berghain (einer der berühmtesten Techno-Clubs Europas) zu feiern?

(Lacht.) Berlin ist die geilste Stadt Deutschlands für mich. Ich komme ja aus der Nähe von Magdeburg. Mich hat es schon immer mehr nach Berlin gezogen als zum Beispiel nach München. Die Vielfältigkeit und vor allem die Fülle der Möglichkeiten ist einfach genial.

Vielen Dank für das nette Gespräch und alles Gute!

Und was sagst du dazu?