Pirmin Schwegler wechselt zu Hoffenheim.

Schwegler ist eine Warnung

Pirmin Schwegler geht. Nach fünf Jahren Eintracht Frankfurt wechselt der Schweizer zur TSG 1899 Hoffenheim. Das tut weh. Doch dem Kapitän seinen Abgang nun vorzuwerfen, ist falsch – und zu einfach.

Denn eines ist Schwegler gewiss nicht: ein Söldner, dem es nur um Geld geht. Fünf Jahre hielt er der Eintracht die Treue, auch nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga. Bereits nach der letzten Saison hätte Schwegler wechseln können. Da hatte er eine herausragende Saison gespielt, an der Seite von Rode das Spiel einer furiosen Eintracht geprägt und war zu einem der besten Sechser der Liga geworden. Besonders der VfL Wolfsburg bemühte sich um den Schweizer.

Aber Schwegler blieb. Er entschied sich gegen ein deutlich höheres Gehalt und für die Eintracht. „Der Klub, das Trainerteam und die Mannschaft sind mir eine wichtige Herzensangelegenheit, so dass die Eintracht immer meine erste Option war“, sagte er damals. Das Momentum mag ihn damals zwar beeinflusst haben: die Europa-League-Qualifikation, seine Rolle in der Mannschaft, die Euphorie im Umfeld. Doch ein intelligenter Spieler, der Schwegler zweifelsohne ist, sagt solche Sätze nicht nur aus einer Laune heraus. Er meint sie ernst.

Schwegler geht der Philosophie wegen

Dass Schwegler nun Hoffenheim der Herzensangelegenheit Eintracht vorzieht, ist aus Frankfurter Sicht bedauerlich. Doch Heribert Bruchhagens Verwunderung darüber ist ebenso Fehl am Platze wie die Empörung mancher Fans. Vielmehr sollten sich die Verantwortlichen fragen, warum sie den an für sich pflegeleichten Kapitän nicht halten und von ihrem Konzept überzeugen konnten.

Denn das spielerische Konzept ist es, was Schwegler nach eigener Aussage an den Kraichgauern gefällt. „Hoffenheim verfolgt eine klare Philosophie, die Mannschaft spielt einen

begeisternden Offensivfußball“, sagte Schwegler. Natürlich klingt das besser als „ich verdiene dort einfach mehr Geld“. Glaubwürdig ist es aber dennoch, siehe Wolfsburg. Übersetzt sind Schweglers Worte deshalb auch Kritik an der Eintracht. In Frankfurt vermisst er offenbar eine klare Philosophie und begeisternden Offensiv-Fußball.

Und tatsächlich hört man in den letzten Wochen viel von Hübner und Bruchhagen, ohne dass irgendetwas Positives passiert. Das Buhlen um Roger Schmidt gelangte früh an die Öffentlichkeit. Viel zu früh: Am Ende stand der zuvor noch optimistische Hübner als Verlierer da. Bei Schwegler zeigte sich der Sportdirektor ebenfalls kämpferisch. Doch der Versuch, ihn zu halten, scheiterte. Hübner verlor erneut.

Eine Warnung an die Eintracht-Verantwortlichen

Die Führung sollte das als Warnung verstehen und schnellstens den Hebel umlegen. Anstatt Interna an die Öffentlichkeit zu tragen, muss sie nun einen Trainer präsentieren, der für eine

Philosophie steht – und mit diesem Trainer eine Mannschaft aufbauen, die dem jüngst formulierten Anspruch, regelmäßig um Platz Sieben mitzuspielen, gerecht wird. Schließlich ist Schwegler nicht die letzte offene Personalie: Bei Jung ist die Situation ähnlich. Hübner gab sich zuletzt optimistisch. Jungs Identifikation mit dem Verein spreche dafür, dass er bleibe. Doch aus Spielersicht dürfte eine Champions-League-Teilnahme mit Leverkusen oder Arsenal ebenfalls verführerisch wirken.

Bild: Thomas Rodenbücher

Und was sagst du dazu?