So nah und doch so fern: Die DFB-Zentrale in Frankfurt bringt die Adlerträger auch nicht näher an die Nationalmannschaft.

Von Lob und Missachtung des Joachim Löw

Arsenal, Inter, Leverkusen und Bayern: Fast jeder mit Rang und Namen in Europa interessiert sich derzeit für einen Eintracht-Spieler. Nur einen lässt die Euphorie um die Adlerträger gewohnt kalt: Bundestrainer Joachim Löw.

“Die Frankfurter haben eine unglaubliche Dynamik in ihrem Spiel, das von der Grundausrichtung sehr offensiv angelegt ist.” Oder: “Rode gefällt uns sehr gut. Gemeinsam mit Lewis Holtby und Moritz Leitner ist er am dichtesten dran.” Oder auch: “Trapp von Frankfurt hat jede Menge, jede Menge überragende Spiele gemacht.”

Das sind Sätze von Bundestrainer Joachim Löw aus den Jahren 2012 und 2013. Sie legen nahe, dass Löw ein Sympathisant von Eintracht Frankfurt ist. Einer, der die deutschen Adlerträger genau beobachtet, schätzt und fördert. Doch zumindest letzteres scheint eher das genaue Gegenteil zu sein. Denn obwohl die Eintracht eine ganze Reihe junger und hochtalentierter Spieler in den eigenen Reihen hat, bleiben Nominierungen des Bundestrainers aus.

Rode: “Es ist für Eintracht-Spieler eben schwer”

Warum das so ist, weiß letztendlich nur Löw selbst. Erklärungsansätze gibt es jedoch genug. Passen die Frankfurter nicht in Löws Schema, so wie ein seit Jahren bestens aufgelegter Stefan Kießling? Oder genießt die Eintracht schlichtweg nicht den Stellenwert, den andere Vereine genießen, wie Eintracht-Fans gerne behaupten? “Es ist für Eintracht-Spieler eben schwer, Nationalmannschaft zu spielen”, sagte immerhin auch Sebastian Rode kürzlich der Zeitung mit den großen Bildern – und lieferte damit Futter für diese These.

Tatsächlich führen selbst überragende Leistungen der Adlerträger lediglich dazu, dass sie für die Nationalmannschaft gehandelt werden – nicht aber nominiert werden. Beispiel Kevin Trapp, mit einem kicker-Notenschnitt von 2,40 der mit Abstand beste Torhüter des letzten Jahres. Oder auch Sebastian Rode, der nach kicker-Noten (2,62) beste defensive Mittelfeldspieler der Hinrunde 2012/2013.

Beide hätten in ihrer damaligen Verfassung zwingend für Deutschland spielen müssen. Löw interessierte das aber nicht. Er argumentierte, dass beide sich auf die U21-EM im Sommer 2013 konzentrieren sollten – was jedoch kein Argument ist. Leidenschaftlichen Fußballern wie Rode, Trapp und Jung hätte es wohl kaum an Motivation für die U21-EM gemangelt, wenn sie vorher schon A-Nationalspieler geworden wären. Zumal etwa ein Lewis Holtby, ebenfalls bei der U21-EM dabei, bereits im November 2010 für die A-Nationalmannschaft debütierte.

Keine Kursänderung in Sicht

Wer nun sagt, dass eine gute Saison (beziehungsweise überragende Hinrunde) nicht ausreicht, um einen Anspruch auf die Nationalmannschaft zu erheben, mag damit richtig oder falsch liegen. Das ist Ansichtssache. Bitter für die Frankfurter ist nur, dass Löw bei anderen Vereinen nicht so zögerlich war. Bei der TSG 1899 Hoffenheim wurde Marvin Compper 2008/2009 bereits nach 13 Bundesligaspielen mit den Kraichgauern zum Nationalspieler. Tobias Weis berief Löw sogar nach der nicht mehr allzu berauschenden Rückrunde der Hoffenheimer.

Andere Beispiele sind Max Kruse und Nicolai Müller, die erst seit letzter Saison mit starken Leistungen überzeugen, aber bereits A-Nationalspieler sind. Eine weitere, leistungstechnisch unverständliche Personalie, ist HSV-Profi und Linksverteidiger Dennis Aogo (kicker-Notenschnitt 2012/2013: 4,06). Löw nominierte ihn für die Länderspielreise in die Vereinigten Staaten, während Bastian Oczipka (3,52) zu Hause bleiben musste.



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Immerhin ein Frankfurter schaffte es bereits in den

Dunstkreis der Nationalmannschaft: Sebastian Jung wurde für das Freundschaftsspiel gegen die Niederlande im November 2012 nachnominiert, kam aber nicht zum Einsatz. Unwahrscheinlich, dass sich das bis zur WM bei wenigstens einem Frankfurter ändert. Weshalb am Ende nur das falsche Hoffnung weckende Lob des Bundestrainers bleibt. Und die Überzeugung der Eintracht-Fans: Wir wüssten da welche, die in Brasilien weiterhelfen könnten …

Die Nationalmannschafts-Kandidaten der Eintracht im Überblick

Kevin Trapp – Der Torhüter ist nach seiner Verletzung, die er sich ausgerechnet bei einem Werbedreh für den DFB zuzog, wieder in guter Form. Zu den Leistungen aus der Vorrunde fehlt allerdings noch ein wenig. Die wird er aber Spiel für Spiel abrufen müssen, wenn er sich am Ende gegen Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Marc-André ter Stegen (Borussia Mönchengladbach), Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen), Sven Ulreich (VfB Stuttgart), Oliver Baumann (SC Freiburg) und Roman Weidenfeller (BVB Dortmund) durchsetzen möchte. Manuel Neuer (FC Bayern München) und René Adler (Hamburger SV) sind wohl gesetzt. Die Konkurrenz ist also riesig, Trapps Chance gering. Aber sie ist vorhanden.

Bastian Oczipka - Der Linksverteidiger war zuletzt wieder stärker. Er hätte eigentlich die besten Chancen auf eine WM-Nominierung, denn in Marcel Schmelzer hat Deutschland nur einen Linksverteidiger, der so etwas wie internationale Klasse verkörpert. Konkurrenten wie Dennis Aogo (FC Schalke 04) und Marcell Jansen (Hamburger SV) haben bereits des Öfteren gezeigt, dass sie Nationalmannschafts-Ansprüchen nicht genügen. Notlösungen wie Benedikt Höwedes (FC Schalke 04) und Holger Badstuber (FC Bayern München) sind bei einem Turnier nicht vertretbar. Doch Oczipka muss noch etwas zulegen und konstanter werden, um seinerseits nationalmannschaftstauglich zu werden. Seine WM-Chancen wären dann nicht allzu schlecht – nun ja, hieße der Bundestrainer nicht Jo … Ach, Ihr wisst schon.

Sebastian Jung – Gegen die Niederlande war er kurz davor, der erste Frankfurter Nationalspieler seit Horst Heldt zu werden. Doch Löw verwehrte ihm die Einwechslung. Als Rechtsverteidiger hat Jung das Pech, mit Phillip Lahm (FC Bayern München) einen absoluten Stammspieler und den Kapitän der Nationalmannschaft vor sich zu haben. Wenn es allerdings um Alternativen zu Lahm geht, muss Jung zu den ersten Namen gehören, die genannt werden. Die Leistungen stimmen bereits. Überzeugt Jung auch international gegen gestandene Gegner, ist eine WM-Teilnahme möglich.

Bamba Anderson – Warum nicht mal ein Neger?* Anderson ist zu einem sehr guten Bundesligaverteidiger geworden. Ob Brasiliens Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari das schon mitbekommen hat, ist eintrachtpower.de nicht bekannt. Da Scolari gefühlte Jahrzehnte und einen CL-Titel gebraucht hat, um Dante zu entdecken, sind wir aber so frei und nehmen an, dass er es nicht weiß. Und weil Anderson schon lange in Deutschland spielt, stünde einer Einbürgerung nichts im Wege. Ein topmotivierter Brasilianer im deutschen Trikot bei einer Brasilien-WM – na gut, wir geben zu: Das wäre zu schön, um wahr zu werden.

Sebastian Rode – Seine Konkurrenten heißen: Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München), Sami Khedira (CF Real Madrid), Ilkay Gündogan (BVB Dortmund), Toni Kroos (FC Bayern München), Lars Bender (Bayer 04 Leverkusen), Sven Bender (BVB Dortmund) und Roman Neustädter (FC Schalke 04). Um nur ein paar zu nennen. Es wird für ihn darauf ankommen, die Leistungen der Hinrunde 2012/2013 konstant abzurufen. Dann muss Rode sich auch vor einem Schweinsteiger nicht verstecken. Doch dafür muss nicht nur Rode, sondern auch die gesamte Eintracht Woche für Woche am absoluten Limit spielen. Angesichts der Dreifach-Belastung erscheint das unwahrscheinlich, genau wie Rodes WM-Teilnahme.

Alexander Meier – Erst einmal muss der lange Schlaks wieder fit werden. Danach wird ihm in Sachen Torgefährlichkeit vermutlich kein deutscher Mittelfeldspieler etwas vormachen können. Allerdings fehlt Meier die Technik, Spritzigkeit und überraschende Genialität der Spielmacher-Generation, die bereits jetzt die Nationalmannschaft ausmacht. An Mesut Özil (FC Arsenal), Mario Götze (FC Bayern München) und Toni Kroos (FC Bayern München) kommt Meier nicht vorbei, zumal zur Not auch Marco Reus (BVB Dortmund) oder Julian Draxler (FC Schalke 04) hinter der Spitze spielen können. Vielleicht könnte Meier deshalb als Stürmer zur WM mitreisen. Da dies jedoch nicht Meiers Lieblingsposition ist, scheint auch das nahezu ausgeschlossen.

Stefan Aigner – Wer Aigner zuletzt im Stadion gesehen hat, staunte nicht schlecht. Torgefährlich und schnell war er bereits letzte Saison, nun ist er auch technisch deutlich stärker geworden. Für die WM wird das aber kaum reichen. In Sachen Nationalmannschaft hat Aigner nur krasse Außenseiterchancen, denn selbst wenn Thomas Müller (FC Bayern München) oder die möglichen Flügelstürmer André Schürrle (FC Chelsea), Marco Reus (BVB Dortmund), Julian Draxler (FC Schalke 04) und Sidney Sam (Bayer 04 Leverkusen) ausfallen, gibt es noch einen Patrick Herrmann (Borussia Mönchengladbach), der sich Chancen ausrechnen darf.

*Achtung, Ironie!

Und was sagst du dazu?